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Aufnahmezustand2

Arbeitstagung

Die freie Kulturszene organisiert sich

Hannovers Kulturschaffende wollen sich an der Bewerbung Hannovers als Kulturhauptstadt 2025 aktiv beteiligen. Dazu entwickeln sie ein gemeinsames Positionspapier.

  Claudia Ermel | Konrad Boidol | 28.06.2018

Aufnahmezustand3
Rund 150 Teilnehmer beteiligen sich.
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Rund 150 Teilnehmer beteiligen sich.

Die freie Kulturszene steht hinter der Bewerbung Hannovers zur Kulturhauptstadt Europa 2025 – aber die zahlreichen Aktiven wollen an der Entwicklung auch beteiligt werden. Deshalb haben sie auf einem Arbeitstag unter dem Titel „Aufnahmezustand“ gemeinsame Forderungen an die Stadtverwaltung formuliert.

Das Fazit: „Ohne uns geht es nicht“
Das Organisationsteam der freien Kulturschaffenden konnte rund 150 TeilnehmerInnen im Pavillon Hannover zum Beteiligungsprozess begrüßen. Das Team hatte sich aus den verschiedenen Genres und Initiativen zusammengesetzt. Musik, Theater, Bildende Kunst: es waren ebenso Kreative wie ihre Mittler vertreten. Sie alle wollen mitreden beim Bewerbungskonzept und bei seiner Durchführung. Zu Gast waren nicht nur Kunst- und Kulturschaffende, sondern auch VertreterInnen von Vereinen und der Stadtverwaltung.

So nahm Melanie Botzki, Leiterin des im Ihme-Zentrum eingerichteten „Büro Kulturhauptstadt 2025“, ebenfalls an der Arbeitstagung teil. Sie erläuterte den Bewerbungsablauf und konnte zugleich auf die Positionen, Forderungen und Fragen der freien Szene eingehen. Botzki machte allerdings auch klar, dass das Büro zurzeit nur mit zweieinhalb Stellen besetzt ist. Demnach könne nicht alles unmittelbar umgesetzt werden.

Im Zentrum des Arbeitstreffens stand die Erstellung eines gemeinsamen Konzeptes. Dieses sollte die Interessen aller Beteiligten abdecken. Als Vorbereitung hatte das Organisationsteam einen Thesenkatalog mit zwölf Aussagen aufgestellt, der spontan um einen weiteren Punkt erweitert wurde. Darunter ging es um Grundsätzliches, wie die Befürwortung der Teilnahme Hannovers am Bewerbungsprozess überhaupt, aber auch um detailliertere Aspekte, wie die Finanzierung oder thematische Ausrichtungen in Bereichen wie Transkulturalität oder Inklusion. Mit wenigen Gegenstimmen bestätigten die Teilnehmer die Positionen in einer großangelegten Abstimmung. Anschließend wurden die Thesen in einzelnen Workshops diskutiert und vertieft.

Aufnahmezustand1
Das Plenum stimmt über die zwölf Thesen ab.
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Das Plenum stimmt über die zwölf Thesen ab.

Die freie Szene will beteiligt werden

Das klare Ergebnis des Tages: Die freie Kulturszene will dabei sein, wenn es um die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europa geht. Dass dies zwingend nötig ist, wurde auch durch den Bericht aus Leeurvarden untermauert. „Ihr müsst brennen“, gab Sjörd Bootsma, der Repräsentant der derzeitigen Europäischen Kulturhauptstadt Leeuwarden als Parole für eine Bewerbung um den Titel aus. Detailliert berichtete er vom Bewerbungsprozess: „Wir haben direkt nach der Eurokrise 2011 gestartet – in den Niederlanden gab es im Kultursektor damals große Budget-Kürzungen“, erinnerte er sich. Demnach habe in der „freien Szene“ Frustration und Zynismus geherrscht. Insbesondere in der betreffenden Region, die klein sei und mit zahlreichen strukturellen Defiziten gekämpft habe. Seine Gruppe formulierte daraufhin einen Gegenentwurf: „Wir haben ein Manifest geschrieben, in dem wir gesagt haben: Wir möchten hier leben bleiben aber müssen unsere Probleme erkennen“, so Bootsma. Kunst habe durch ihre Möglichkeit, das Herz anzusprechen, riesiges Potential Menschen zusammenzuführen, um sie Visionen für die Zukunft entwickeln zu lassen. Abschließend machte er den HannoveranerInnen Mut: „Es gibt eine Menge Qualität in jeder Stadt – Ihr müsst Methoden finden diese zu entdecken und zu entfesseln.“

Die Ergebnisse des Arbeitstreffens wurden noch am selben Tag in Form eines Positionspapiers zusammengefasst. Dieses soll sicherstellen, dass das Kulturhauptstadtbüro alle Akteure berücksichtigt, um das ganze Spektrum an Möglichkeiten auszuloten. Auch erste konkrete Projektideen sind darin zu finden. Darunter: Eine Kulturlotsen-App, ein Kulturdorf in der Stadt oder ein Pilgerweg Hannover-Slowenien (dem Partnerland bei einer erfolgreichen Bewerbung).

Thema: Finanzierung

Zwischen allen Ideen, die die Beteiligten entwickelten, kam auch immer das Thema Finanzierung durch die Verwaltung auf. Hierzu wurde die Möglichkeit eines „Kulturhauptstadttarifvertrages“ festgehalten. Er könnte eine Netzwerkstelle, 50 Prozent des Gesamtbugets der Kulturhauptstadt 2025 sowie eine dauerhafte Erhöhung des Kulturetats beinhalten.

Mit der Arbeitstagung hat die Beteiligung der freien Szene am Bewerbungsprozess erst begonnen: „Die Organisationsgruppe bekam große Anerkennung und es bestand der Wunsch, dass sie weiterarbeitet“, sagte Ingrid Wagemann von der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Niedersachsen. Sie hatte zusammen mit Susanne Müller-Jantsch, Leiterin des Pavillons, die Koordination der Arbeit des Organisationsteams federführend übernommen. Demnach wurde von den Kulturschaffenden beschlossen, dass weitere Treffen organisiert werden sollten. Kontakt über aufnahmezustand@pavillon-hannover.de

Doch egal, ob Hannover Kulturhauptstadt wird oder nicht, blicken die Organisatoren der Arbeitstagung positiv auf die bereits eingeleiteten und mögliche folgende Prozesse: „Wichtig ist, dass man die Bewerbung auch langfristig für die Stadtentwicklung anlegt. So wächst eine Szene zusammen“, sagte Joy Lohmann von Kultur des Wandels.

Ein Kommentar von Claudia Ermel erklärt, warum die freie Szene so wichtig für Kunst und Kultur ist.


Wir waren dabei. Hier einige "aufgeschnappte" Aussagen der TeilnehmerInnen der Arbeitstagung:

Ohne uns geht es nicht

Ein mutiger Kulturentwicklungsplan fehlt

Kunst hat durch seine Möglichkeit, das Herz anzusprechen, riesiges Potential, Menschen zusammen zu führen

Nirgendwo soll man sicher vor Kultur sein

Die freie Szene braucht ein Sprachrohr

Wir müssen brennen

Hannover muss sich neu erfinden und dabei GROẞ denken

Wir brauchen ein eigenes Kulturdezernat mit Schnittstelle zur Stadt

Kultur sollte erwartungsfrei honoriert werden

Bürgerbeteiligung nutzen

Kulturschaffende wollen Motor sein

ALLE sollen sichtbar werden

Eine kommunikative Plattform wird benötigt

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover