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Künstlergruppe zur Ausstellung

Kreativer Museumsbesuch

Im Geist der Epochen Neues erschaffen

KünstlerInnen lassen sich von der Aura historischer Objekte inspirieren: Kunstschaffende zeichnen, schreiben und musizieren im Museum August Kestner. Ihre Ergebnisse präsentieren sie im August.

  Konrad Boidol | 11.06.2018

KünstlerInnen in der Ausstellung
Dr. Anne Viola Siebert (ganz rechts) führt die Künstlergruppe durch die Ausstellung
KünstlerInnen in der Ausstellung
Dr. Anne Viola Siebert (ganz rechts) führt die Künstlergruppe durch die Ausstellung

Poetische Texte, Geschichten, Bilder und Klänge entstehen im Angesicht historischer Objekte: Unter dem Titel „Speak to me!“ kamen über 20 AutorInnen, DichterInnen, MalerInnen, ZeichnerInnen und MusikerInnen im Museum August Kestner zusammen. Inspiriert durch die Ausstellung „Beziehungskiste - Über Kommunikation“ haben sie gemeinsam den Grundstein für neue Werke gelegt. Diese werden auf dem kommenden "Fest der Kulturen" präsentiert.

Mit dabei waren Mitglieder der Malwerkstatt von Kargah e. V. und der "Gruppe Poesie", MitarbeiterInnen von "Welt-in-Hannover.de" sowie zahlreiche weitere Interessierte. Das Ziel des Projekts: Die TeilnehmerInnen sollten eine Kommunikation mit Ausstellungsobjekten ihrer Wahl eingehen, und inspiriert davon schöpferisch tätig werden. Zum Start stellte Kuratorin und Archäologin Anne Viola Siebert der Gruppe die verschiedenen Aspekte der Ausstellung vor.

Formen der Kommunikation

In einem Raum ging es um die organischen Voraussetzungen des Sprechens: „Die Entwicklung des Zungenbeines ist der Grund, warum der Mensch Worte formen kann“, erläuterte Siebert anhand eines zentral aufgestellten Modells dieses Teils des menschlichen Körpers. Rundherum waren weitere Objekte rund um das Sprechen angeordnet. Ein weiterer Ausstellungsabschnitt zeigte spirituelle Kommunikation. „In jeder Religion sprechen die Gläubigen mit ihren Göttern“, sagte die Archäologin. Demnach war ein historischer muslimischer Gebetsteppich zu sehen, oder Reliefs, die antike Brandopfer visualisierten.

Auch der griechische Dichter Homer hatte seinen Platz in der Ausstellung. Er hielt die Mythen seiner Zeit durch die Verschriftlichung fest und transportierte sie so in die Gegenwart. Am Schlusspunkt der Ausstellung fand sich die Gruppe in einem abgegrenzten Raum wieder. „Auch Schweigen ist eine Form der Kommunikation – ältere Ehepaare kennen es vielleicht: Man kann sich stundenlang anschweigen und sagt doch sehr viel“, erläuterte Siebert. Das ausdrucksstarke Gemälde „Der Witwer“ untermalte die nonverbale Kommunikation. Es zeigte Familienmitglieder, die angesichts des Todes der Ehefrau beziehungsweise der Mutter ihren Gefühlen ohne zu sprechen Ausdruck verleihen.

Die Dichterin Gesa Elsner
Die Dichterin Gesa Elsner
Die Dichterin Gesa Elsner
Die Dichterin Gesa Elsner

„Nichts ist Perfekt“

Nach der Einführung verteilten sich die Kunstschaffenden im Museum, um sich von den Objekten inspirieren zu lassen. Künstler Hussein Mohamad hatte einen kleinen, fein modellierten Kopf des antiken Dichters Homer als Inspirationsquelle ausgewählt. „Ich mache Bilder, die schön sein sollen, aber bei denen ich immer etwas fehlen lasse: die Augen, den Mund oder die Ohren zum Beispiel“, erklärte er angesichts seiner Skizze. Im Leben gäbe es gleichsam immer Aspekte, die falsch liefen – nichts sei perfekt – weshalb er diesen Faktor gerne in seinen Werken ausarbeite.

Dichterin Gesa Elsner hatte sich noch kein konkretes Objekt ausgesucht, sondern notierte erste Ideen zu ihrem Thema „Nichts ist ohne Sprache.“ „Alles, was wir tun, ist Sprache und hat eine Bedeutung“, erklärte sie. Dabei legte sie den Sprachbegriff auf einer Metaebene aus: „Geben und nehmen, nehmen und geben – beispielsweise ein Geschenk – das ist auch Sprache“, erklärte sie.

Die Dichterin Anja Lutz
Anja Lutz schreibt Haikus
Die Dichterin Anja Lutz
Anja Lutz schreibt Haikus

Haikus und Musik

Anja Lutz verfasste im Museum Haikus, eine japanische Form von Kurzgedichten. Ein Kaffeeservice, auf dem Abbildungen verschiedener Lebenssituationen zu sehen waren, diente ihr als Inspiration: „Mich interessiert der Gedanke, dass Freundinnen über den Genussaspekt oder die dargestellten Dinge aus einer damals fremden Welt – beispielsweise die eines Sultans – ins Gespräch kommen und über ihre Träume reden“, sagte sie.

Andreas Kühntopp zeichnete in einem anderen Raum: „Ich habe mich mit Mumien beschäftigt, weil ich die Form der figürlichen Darstellung und die Hieroglyphen interessant finde“, erklärte er. Das antike Ägypten hat der Geschichtslehrer zudem gerade mit seinen Schülern aus der fünften Klasse behandelt. Somit diente ihm ein kleines Modell eines ägyptischen Mumien-Sarkophages als Inspirationsquelle.

Ali Omar spielt die Oud
Ali Omar spielt die Oud
Ali Omar spielt die Oud
Ali Omar spielt die Oud

Gleich nebenan erklangen, ungewöhnlich für ein Museum, orientalische Melodien. Musiker Ali Omar spielte auf seinem Saiteninstrument, der Oud, vor Objekten, die die altorientalische Keilschrift zeigten – eine der ältesten Formen der Schriftsprache. Hieraus entstanden erste Ideen zu einer urtümlich klingenden Komposition, die er weiter ausarbeiten möchte.

Ab jetzt haben die KünstlerInnen bis zum 18. August Zeit, ihre Arbeit zu vollenden. Dann werden diese gemeinsam auf dem Fest der Kulturen präsentiert.

Das Titelbild von Konrad Boidol zeigt den Künstler Hussein Mohammad.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover