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IQ Projekt-Plakat

Anerkennungsverfahren / Teil 4

GABRIELA – Ich bin stolz darauf, mir so vieles allein aufgebaut zu haben

Fortsetzung des Interviews vom 17.12.2020.

  Redaktion Welt-in-Hannnover | 10.01.2022

kargah e.V. ist seit 2019 Teil des landesweiten IQ-Netzwerkes (Integration durch Qualifizierung) und bietet Beratungen im beruflichen Anerkennungsverfahren speziell für zugewanderte Frauen mit ausländischen Bildungs- und Berufsabschlüssen an. In ihrer täglichen Arbeit begleiten die Mitarbeiter*innen des Vereins die Frauen ein Stück ihres Weges und hören viele bewegende und aufschlussreiche Geschichten, die sie der Öffentlichkeit gern zugänglich machen möchten. In diesem Jahr sollen insbesondere Frauen zu Wort kommen, die in pädagogischen Bereichen ausgebildet sind und darin arbeiten möchten.

Wir haben die Interviews im Dezember 2021 durchgeführt. Die Interviewten möchten anonym bleiben und werden nur mit den Vornamen benannt.

Gabriela ist 28 Jahre alt und kam 2018 allein nach Deutschland, um als Au-Pair in einer deutschen Familie zu arbeiten. In ihrem Heimatland Kolumbien hat sie Industriedesign studiert und in diesem Bereich bereits gearbeitet. Neben der Thematik einer beruflichen Perspektive in Deutschland, brachte Gabriela einige Fragen zu ihrer aufenthaltsrechtlichen Situation mit in die Beratung. Da sie momentan als Studentin in Deutschland eingeschrieben ist und darüber eine Aufenthaltserlaubnis hat, darf sie nur in begrenztem Stundenumfang arbeiten, was ihr Vorankommen in beruflicher Hinsicht erschwert.

Vor etwa einem Jahr haben wir über deine Erfahrungen in Bezug auf die Anerkennung deines Abschlusses und deine Arbeit in Deutschland gesprochen. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Wie hast du das letzte Jahr erlebt?

Letztes Jahr habe ich ein Bachelorstudium begonnen, das ich nur gewählt habe, um meinen Aufenthaltstitel zu behalten. Leider konnte ich mich noch nicht für mein Masterstudium bewerben, aber ich wollte mit diesem Extra-Studium mein Deutsch verbessern, während ich dabei alle Voraussetzungen erfüllen konnte. Außerdem habe ich eine neue und feste Arbeitsstelle als Aushilfe in einer orthopädischen Praxis gefunden und ab und zu arbeite ich als Dolmetscherin. Dieses Jahr war eines mit vielen Veränderungen, viel Arbeit, wenig Urlaub, aber am Ende hat es sich gelohnt und alles war perfekt.

Du hattest als persönliches Ziel genannt, dass du gern in Deutschland einen Master absolvieren und eine gute Arbeit finden möchtest. Konntest du deinem Ziel näherkommen oder es sogar erreichen?

Jeden Tag komme ich meinem Ziel näher, aber bis ich es erreichen werde, wird es noch ein bisschen dauern. Im Juni habe ich mich für einen Master beworben und den Platz bekommen.

Gerade bin die einzige ausländische Studentin in meinem Semester, worauf ich sehr stolz bin und glücklich. Ein Masterstudium bedeutet für mich nicht nur neue Chance und die Möglichkeit, Erfahrungen in diesem Land zu sammeln, sondern auch eine Herausforderung, die Angst mit sich bringt, weil ein Vollzeit-Studium und eine zusätzliche Teilzeitarbeitsstelle natürlich Stress auslösen werden.

Was hat dir dabei geholfen und was war hinderlich auf diesem Weg?

Es hat mir sehr geholfen, meine Zeit einteilen zu lernen, mir Prioritäten zu setzen, mir selbst zu vertrauen, dankbar zu sein und mein Hauptziel nicht aus den Augen zu verlieren. Es motiviert mich immer, zurückzublicken und wertzuschätzen, was ich fast alleine aufgebaut habe.

Am schwierigsten finde ich, die Bürokratie und die Regeln dieses Landes richtig zu verstehen. Es ist auch hart für mich so viel während des Studiums zu arbeiten, denn wenn man nicht aus einem europäischen Land kommt, kann man kaum Hilfe bekommen.

Ausblick:

Um erneut einen Blick in die Zukunft zu werfen: Was sind die nächsten Schritte, die bevorstehen?

Mein Plan ist, weiter glücklich in diesem Land zu wohnen, in zwei Jahren das Masterstudium abzuschließen, einen guten Job in meinem Bereich (Design) zu finden, um unter besseren Bedingungen in diesem Land bleiben zu können. Aber natürlich auch, jeden Tag das zu feiern, was ich bisher alles erreicht habe.


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Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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