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Der neunte Arm des Oktopus_Buchcover Rossmann

Zorniger Oktopus

Eben mal die Welt retten ...

Ein millionenschwerer Drogeriemarkt-Besitzer versucht sich als Schriftsteller. Dirk Rossmann hat jetzt schon den zweiten „Thriller“ zum Klimawandel vorgelegt. Man muss ihn nicht gelesen haben.

  Wolfgang Becker | 03.01.2022

Eben mal die Welt retten – das scheint der Anspruch von Dirk Rossmann zu sein. Darunter macht es der 76-jährige Unternehmer mit Stammsitz in Großburgwedel offenbar nicht. Dabei geht es nicht um die Ausbreitung seiner rund 4.100 Drogeriefilialen in acht Ländern, sondern um den Plot seiner unlängst erschienenen Öko-Romane „Der neunte Arm des Oktopus“ und „Der Zorn des Oktopus“.

Fragwürdige „Thriller“ von der Bestsellerliste

Dank aggressiver Werbung – ein Oktopus-Spot lief wochenlang im Fernsehen direkt vor den Abendnachrichten – hat Rossmann es mit beiden Büchern bis auf die Bestsellerliste des Spiegel geschafft. Der Mann, der 1972 seinen ersten Drogeriemarkt in Hannover-List eröffnete, hat sich damit als Erfolgsautor vermarktet. Für den zweiten Band der Oktopus-Saga holte er sich den Journalisten Ralf Hoppe als Ko-Autor, was der Geschichte gut tat.

Die dünne Story ist schnell erzählt: Um Klimawandel und Überbevölkerung zu stoppen, schließen sich die Supermächte China, USA und Russland zu einer „Klima-Allianz“ zusammen. Die Präsident*innen Xi Linping, Wladimir Putin und Kamala Harris (!) machen – auch militärisch – Front gegen Staaten, die sich der Rettung der Welt verweigern. Im ersten Buch ist Brasilien mit der Abholzung am Amazonas der Schurkenstaat, im zweiten „Thriller“ das überbevölkerte Indien.

Putin wird ertastet und erfühlt

Eine Leseprobe aus dem „neunten Arm“- der russische Präsident kuschelt mit dem Kraken: „Einer von Ruddys Armen, der sich bisher noch scheinbar schwerelos im Wasser bewegt hatte, steuerte neugierig auf die Finger des Russen zu. Die Saugnäpfe berührten seine Haut, bis Putins Arm gänzlich von Ruddys Arm umschlungen war. Aufmerksam und geduldig ließ der Präsident zu, dass der Oktopus ihn ertastete und erfühlte.“

Im „Zorn des Oktopus“ endet eine Präsentation der amerikanischen Präsidentin im Fiasko: „Kamala D. Harris (…) saß im Fond ihrer Regierungslimousine (…) Die Präsidentin hatte die Augen geschlossen, aber sie schlief nicht (…) Mit etwas Abstand gefolgt von vier Übertragungswagen, vier ausgewählte Fernsehsender, die die heutige Vorführung in die ganze Welt verbreiten würden. Was hoffentlich für Aufregung sorgen würde. Und für Hoffnung.“

Polypenstory – Anlehnung an „Der Schwarm“?

Beide Science-Fiction-Romane sind im Stil von Tagebuchnotizen gehalten. Diese reichen von der Gegenwart bis ins Jahr 2100. Immer wieder taucht dabei ein Oktopus im Aquarium auf. Warum Rossmann diesem achtarmigen Weichtier so eine Bedeutung beimisst und die Bücher nach ihm benennt, erschließt sich mir nicht. Spannender ist es da mit Oktopoden schon im Öko-Klassiker „Der Schwarm“ von Frank Schätzing, wo ein Riesenpolyp beim Aufstand der Meeresfauna gegen die Menschheit die Schlüsselrolle inne hat. Bei mir jedenfalls hinterließen die literarischen Ergüsse des Möchtegern-Schriftstellers Rossmann ein zornig-verärgertes Gähnen.

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