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Buchcover Xi Jinping

Biografie Xi Jinping

„Der lächelnde Unbekannte“

Auf 290 Seiten geht es um den „mächtigsten Mann der Welt“: Eine Buchlesung in Hannover wurde zweimal abgesagt. Zunächst auf Druck der Chinesen, dann wegen Corona.

  Wolfgang Becker | 26.11.2021

Die Journalisten Stefan Aust und Adrian Geiges haben eine umfangreiche Biografie über den chinesischen Staatspräsidenten und Generalsekretär der Kommunistischen Partei Xi Jinping (67) vorgelegt. Beide gelten als „China-Experten“: Der chinesisch sprechende Geiges war jahrelang Asien-Korrespondent des Stern in Peking und auch der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Aust hat Chinaerfahrungen gemacht. Am 1. Dezember 2021 sollten die Autoren nebeneinander im Lichthof der Leibniz-Universität-Hannover sitzen und eine Lesung geben. Wegen der Corona-Pandemie wurde nichts daraus – die Uni sagte kurzfristig ab und plant jetzt einen neuen Anlauf im Frühjahr 2022..

Die durch das Leibniz-Konfuzius-Institut Hannover bereits im vergangenen Oktober erfolgte erste Absage der Buchbesprechung war für die Hochschulleitung der Leibniz Universität „nicht akzeptabel, befremdlich und unverständlich“, so damals Unipräsident Volker Epping: „Die Leibniz Universität Hannover versteht sich als weltoffene Universität mit Raum für kritischen wissenschaftlichen Diskurs und Austausch. Sie sieht Dialogfähigkeit als Voraussetzung für innovatives Handeln, kluge und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Gegenüber als Garant für Fortschritt.“

Corona oder wenn in China ein Sack Reis umfällt

„Was geht es mich an, wenn in China ein Sack Reis umfällt?, hieß es früher. Heute kann es die ganze Welt erschüttern, wenn in China jemand hustet“. Mit diesem Satz endet das erste Kapitel des im Münchner Piper Verlag im Juli 2021 erschienenen Sachbuches. Natürlich geht es hier um das Corona-Virus, das von Wuhan ausgehend weltweit seinen tödlichen Schrecken verbreitet.

„Ein chinesisches Regierungsdokument listet als mögliches Verbrechen in Corona-Zeiten, neben dem Horten von Gesichtsmasken und dem illegalen Handel mit wilden Tieren, ‚die bösartige Erfindung von Informationen über die Epidemie, die gesellschaftliche Panik auslöst und die gesellschaftliche Ordnung stört, besonders wenn sie Partei und Regierung bösartig angreift und die Gelegenheit nutzt für eine Subversion der Staatsmacht oder den Sturz des sozialistischen Systems‘ “,wissen die beiden Autoren zu berichten.

Xi‘s Weg an die Macht

„Er beschloss zu überleben, indem er roter als rot wurde, heißt es später in einem Dossier der US-Botschaft in Peking über ihn. Mit 15 Jahren stellt Xi einen Aufnahmeantrag für die Kommunistische Partei, wird aber abgelehnt, wohl auch, weil sein Vater als »Abweichler« verurteilt ist. Statt aufzugeben, versucht er es immer wieder, insgesamt zehnmal – bis er schließlich 1973 aufgenommen wird“.

„Schon damals (1979 nach dem Studium in Peking) zeichnet sich eine Charaktereigenschaft von Xi Jinping ab, die ihn später ganz nach oben bringen wird: Jeder Schritt in seinem Leben folgt einem Kalkül.“

„Und so wird Xi Jinping am 15. November 2012 zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas gewählt. Da ist er erst 59 Jahre alt, vergleichsweise jung für eine solche Position. Auch ist er der erste Parteichef, der nach der Gründung der Volksrepublik China geboren wurde. Gleichzeitig wird er Vorsitzender der Zentralen Militärkommission, befehligt damit die größte Armee der Welt. Am 14.März 2013 übernimmt er dann auch das Amt des Staatspräsidenten.“

Rätselhaftes Reich der Mitte

Die Geschichte des Riesenreiches China mit seinen heute rund 1,4 Milliarden Menschen ist lang: Traditionen im Kaiserreich, Kolonialgeschichte, japanische Besatzer, Bürgerkrieg mit Mao Dzedong‘s Volksbefreiungsarmee und späterer Kulturrevolution, Verhältnis zum Stalinismus in der Sowjetunion, Großer Sprung der Volksrepublik China an die Weltspitze, Expansion nach Afrika und Europa über die neue Seidenstraße, Massaker auf dem Tiananmen-Platz, Säbelrasseln im südchinesischen Meer, Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong, Verknastung und Umerziehung der Uiguren, IT-Wirtschaft und Umweltzerstörung, digitale Ausspähung der Bevölkerung, Drohgebärden gegenüber Taiwan, die Liste der Stichworte zum „Reich der Mitte“ lässt sich beliebig fortsetzen. Vieles davon wird im Buch thematisiert.

„Xi Liping ist der neue Mao, gemessen an der Machtfülle. Wie nutzt er diese Macht?“, fragen die Autoren. „Der Überwachungsstaat 4.0 soll nicht nur Verbrechen aufklären, sondern auch die Bürger dazu bringen, sich sozial vorbildlich zu verhalten und auf andere Rücksicht zu nehmen. Während westliche Politiker im Sammeln von Daten vor allem eine Gefahr sehen, betrachtet Xi die Digitalisierung als Chance, das Zusammenleben der Menschen zu verbessern.“ Dafür sind in China derzeit bereits 600 Millionen Überwachungskameras installiert. „‘Xi nao‘ nannte man das unter Mao, wörtlich ‚waschen Gehirn‘. Die ‚Gehirnwäsche‘ ist einer der wenigen Begriffe aus dem Chinesischen, der es auch in westliche Sprachen geschafft hat.“

Visionen: Die Welt als große Familie

„China ist unter Xi Jinping wieder da, wo es früher einmal war“ schreiben Aust und Geiges: „und das mit einem Regierungssystem, von dem man bisher annahm, dass es niemals so produktiv sein könnte wie ein kapitalistisches, demokratisches und rechtsstaatliches System. Ein Einparteiensystem, das Kommunismus und Konfuzius mischt, hat China an die Spitze gebracht.“

„‘China ist die erste große Volkswirtschaft, die wieder stark wächst‘, sagt Xi in der Neujahrsansprache 2021. ‚Wir sind nicht allein auf unserem großen Weg, die ganze Welt ist eine große Familie.‘ Nahtlos geht er dann über zum aus seiner Sicht wichtigsten Ereignis 2021: dem 100.Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas. ‚Das hundertjährige Bestehen läutet die Blüte des Lebens ein‘, schwärmt er. ‚Wir haben Zehntausende Flüsse und Berge überquert. Wir werden uns weiter anstrengen und mutig voranschreiten zu noch hellerem Ruhm!‘ “

Die Leibniz Universität hat angekündigt, einen neuen Termin für eine Buchlesung mit den Autoren für das kommende Frühjahr zu planen.

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