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Stop Rassisme

Rassismus

Antidiskriminierungsberatung ist wichtig, Empowerment zur Selbsthilfe aber auch

Was kann ich tun gegen rassistische verbale Angriffe von Lehrern, Vorgesetzten oder anderen Personen, von denen ich abhängig bin?

  Claudia Ermel | 24.09.2021

MiSO fordert eine unabhängige Antidiskriminierungs-Beratungsstelle. Die Stadt Hannover beschäftigt bereits zwei Sozialarbeiterinnen mit diesem Beratungsschwerpunkt. Auch die Polizei Hannover hat eine Antidiskriminierungsstelle, die sich auf dem IIK Sommerfest präsentierte. WiH wollte wissen, wie eigentlich so eine Beratungsstelle funktioniert und was sie bewirken kann.

Bei einem Anruf bei der Antidiskriminierungsstelle der Stadt Hannover erfuhren wir, dass die Mitarbeiter*innen grundsätzlich versuchen, gemeinsam mit der betroffenen Person Lösungen zu finden. Wir schilderten den Fall einer Schülerin, die wegen ihres "Kopftuchs" von einer Lehrkraft mehrfach angegangen wurde, wollten erfahren, was sie raten würden. Im Gespräch wurde schnell klar, dass Personen, die sich in Abhängigkeitsverhältnissen befinden, oft nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen. Die Berater*innen suchen also gemeinsam mit der betroffenen Person nach bereits bestehenden Möglichkeiten wie Vertrauenslehrer*innen, Antirassismusbeauftragten etc., die eingeschaltet werden könnten. Auch die Möglichkeiten eventueller rechtlicher Schritte werden besprochen. Welche Stellen und Personen letztendlich kontaktiert werden, liegt aber immer in der Entscheidungsgewalt der Rat suchenden Person. Es kann ein persönlicher Gesprächstermin vereinbart werden, aber auch eine Telefonberatung ist direkt bei Anruf möglich.

Auf Wunsch schaltet sich die Beratungsstelle auch durch Briefverkehr oder Telefon ein. Allerdings wird eine Schule oder eine andere öffentliche Institution rassistisches Verhalten meistens vehement zurückweisen, wie die Erfahrungen der Berater*innen zeigten. "Schulen sind besonders schwierig,“ meinte Peggy Zander von der Antidiskriminierungsberatung. Wie schon erwähnt, streiten Schulleitungen erfahrungsgemäß Rassismus und Diskriminierung in ihren Instituten kategorisch ab. „Rassismus bei uns? Bei uns herrscht Vielfalt, wir haben in unserer Schule über 30 unterschiedliche Nationalitäten.“

Empowerment der Betroffenen durch entsprechende Workshops empfiehlt Peggy Zander als probatere Lösung. Dass gerade Rassismus in Schulen besonders schwierig zu ahnden ist, bestätigte die Beraterin in unserem Gespräch mehrmals. Allerdings befinden sich nicht nur Schüler*innen in Abhängigkeitsverhältnissen zu mutmaßlichen Rassisten. Erinnern wir uns an die Ausländerbehörde, wo das Schicksal ganzer Familien von der Schikane einer Person abhängen kann. WiH berichtete darüber.

Empowerment, die Hilfe zur Selbsthilfe

Die Stärkung von Selbstbehauptung, Selbstbewusstsein und Mut, für die eigene Sache einzutreten, sollte jedoch nicht allein dastehen. Es hilft immer, nach Verbündeten zu suchen, am besten nicht nur aus der eigenen Community. Ein sehr schönes Beispiel ereignete sich vor einigen Jahren in Afghanistan. Da demonstrierten Männer in Burkas für die Rechte der Frauen. Wie wäre es denn, wenn mal in einer Schulklasse alle überzeugten Antirassistinnen und Antirassisten im Unterricht eines vermeintlich rassistischen Lehrers mit Kopftuch erscheinen? Oder Mitschüler*innen könnten Unterrichtseinheiten zum Thema Rassismus einfordern. Leider herrscht meistens gerade in den höheren Klassen eher extremer Individualismus als Zusammenhalt und Solidarität, wie eine ehemalige Abiturientin berichtete.

Aber vielleicht befinden sich dennoch im Umfeld von betroffenen Personen Möglichkeiten, gemeinsam die ‚Courage‘ der (meist verbal) angegriffenen Person als auch die ‚Courage‘ in der Gemeinschaft zu stärken. Darüber offen zu reden, ist jedenfalls der erste Schritt. So können sich mögliche Unterstützer*innen einfacher solidarisieren.

Leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Solidarisiert Euch für eine gleichberechtigte Vielfaltsgesellschaft. Ihr habt selbst Rassismus erlebt? Ruft einfach mal bei der Antidiskriminierungsstelle der Stadt Hannover an. Eure Anonymität wird dort selbstverständlich gewahrt, wenn Ihr das möchtet.

Und schaut ruhig mal in unserer Rubrik zu Antidiskriminierung und Rassismus vorbei. Außerdem gibt es hier auch einen Link zu einem interessanen Fernsehbeitrag des ARD zum Thema Rassismus in der Schule.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover