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Frehiwet Negasi_Ausstellung Angst. Flucht. Traum. Sehnsucht_Bild 1

„Love without borders“

Zwei Ausstellungen mit Werken von Geflüchteten in der Kunsthalle Faust

Die Ausstellung in der Kunsthalle Faust ist ein starkes Zeugnis für die transformative Kraft der Kunst.

  Jürgen Castendyk | 10.08.2021

Das brennende Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos war tagelang in den Schlagzeilen. Trotz der Proteste gegen die Flüchtlingspolitik der EU hat sich die katastrophale Situation in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln und auf dem Festland nicht wesentlich verbessert. Die Mängel des griechischen Asylsystems im Zusammenhang mit der Weigerung der anderen EU-Staaten, die Flüchtlinge aufzunehmen, führt weiterhin zu inhumanen Zuständen. Die überforderten griechischen Behörden können in vielen Lagern noch nicht mal Schutz gewähren vor geschlechtsspezifischer Gewalt. Das langfristige Leben in abgelegenen Lagern bedeutet zudem eine Ausgrenzung aus der griechischen Gesellschaft. Es schwächt die Fähigkeiten von Geflüchteten, ihrem Leben eine Perspektive zu geben. Allein gelassen mit dem Trauma der Vertreibung können selbstbestimmte Lösungen nicht gefunden werden. Kann da eigene Kunst den Geflüchteten helfen?

Die transformative Kraft der Kunst

Die griechische Nichtregierungsorganisation Love without borders stellt Geflüchteten kostenlos Materialien zur Verfügung, um sich künstlerisch in den Flüchtlingslagern rund um Athen und in Wohngemeinschaften in der Hauptstadt betätigen zu können. Die Ausstellung in der Kunsthalle Faust ist ein starkes Zeugnis für die transformative Kraft der Kunst. „Die ausgestellten Werke kommunizieren mit wenigen Materialien die Gefühle, Erfahrungen und das Innenleben der Künstler*innen. Die Sehnsucht nach oder eine Erinnerung an Normalität.“ So steht es in dem informativen Katalog. Ausgestellt werden malerische Arbeiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, darunter auch ausgebildeten Künstler*innen. Das Besondere an der Ausstellung: zu erschwinglichen Preisen können die Arbeiten sofort gekauft werden. Die Erlöse werden allein den Kunstschaffenden zufließen.

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Ngwa Afandi Neba_Künstlerportrait
Ngwa Afandi Neba
Ngwa Afandi Neba_Künstlerportrait
Ngwa Afandi Neba

Der auf der Vernissage am 8. August anwesende Künstler Ngwa Afandi Neba aus Kamerun freute sich im Gespräch über das Interesse der Besucher*innen an der Ausstellung. In Kamerun sei die Situation „gewalttätig und politisch feindlich“. Ngwa kommt aus einer kreativen Familie, die seine künstlerischen Interessen schon früh gefördert hat. Über die Türkei flüchtete er in das Flüchtlingslager auf der Insel Chios. Er möchte in Athen bleiben und dort als Künstler arbeiten. Dass die Menschen an ihr eigenes Talent glauben und ihre Freiheit für den eigenen Ausdruck kreativ nutzen, wünscht sich Ngwa. Er hofft, dass seine Kunst „die Gesichter aufhellt und die Trauer und den Schmerz vertreibt. So kann ich Signale der Hoffnung aussenden.“

„Angst, Flucht, Traum, Sehnsucht“- eine Fotoausstellung

Im zweiten Raum der Kunsthalle stellt Frehiwet Negasi-Wache drei großformatige Fotos aus. Sie ist in Asmara (Eritrea) geboren. Um dem Krieg zwischen ihrem Heimatland und Äthiopien zu entfliehen, kam sie Ende der 70er-Jahre mit ihrer Familie nach Hannover. Damals war sie acht Jahre alt. Negasi-Wache studierte Kommunikations-Design und arbeitete für das Fernsehen des NDR. Sie lebt mit eigener Familie in Hamburg. „Meine Erinnerungen an Eritrea und seine Kultur beruhen hauptsächlich auf Erzählungen meiner Eltern und Menschen der Diaspora. Um reale Orte mit meinen Traumbildern und Kindheitserinnerungen zu vergleichen, bin ich immer wieder nach Eritrea gereist“, sagte sie in einem Gespräch. Die ausgestellten Fotos sind ein Teil von Projekten mit Foto-Serien über Eritrea zum Themenkomplex „Flucht und Traum“. In Zukunft will Negasi-Wache als selbstständige Fotokünstlerin arbeiten, sagte sie zum Abschluss.


Die sehenswerte Ausstellung wird noch bis Sonntag, den 15. August, gezeigt. Sie ist geöffnet Montag bis Freitag von 16 bis 20 Uhr; Samstag und Sonntag von 14 bis 21 Uhr.

Zum Thema Flucht findet in der Kunsthalle am Freitag, 14. August, ab 19 Uhr eine Abendveranstaltung statt. Dabei sein wird u. a. der Künstler Ngwa Afandi Neba.

Vor der Finissage (Beginn: 17:00 Uhr) am Sonntag, den 15.08., gibt es um 16 Uhr eine Onlineveranstaltung zum Thema Flucht.

Nähere Einzelheiten zur Abendveranstaltung und über den Zugang zur virtuellen Veranstaltung sind demnächst über die Internetseite www.lovewithoutbordershannover.com zu erfahren.

Fotos: 1 - 4 Team Love without Borders, 5 + 6 Frehiwet Negasi-Wache

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover