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Courage zeigen

Schule mit Courage?

Wenn Antirassismus nur Lippenbekenntnis bleibt

Kommentar zum Interview von Negin Sayadi Samani. Können sich Menschen, die sich in Abhängigkeitsverhältnissen befinden, überhaupt gegen rassistische Aussagen wehren?

  Claudia Ermel | 11.07.2021

Unsere Redaktion war regelrecht schockiert, als wir durch Negins Interview erfuhren, dass ausgerechnet Personen aus dem Lehrkörper an einem hannoverschen Gymnasium ihre Schutzbefohlenen mit polemischen Sprüchen aus der Rassismussschublade ansprechen.

Unsere erste Reaktion war natürlich, dass dies öffentlich gemacht werden muss oder dass zumindest die Schulleitung zu informieren ist. Doch solange die betroffene Schülerin noch abhängig von einer Bewertung durch die Lehrer*innen ist, solange sie noch um ihr Abitur bangen muss, ist dies natürlich keine Option. Wer weiß schon, welche ungewollten Kräfte wir damit in Bewegung setzen?

Unterdessen erfuhren wir – sozusagen als Krönung -, dass die besagte Schule sich mit dem Prädikat Schule mit Courage ohne Rassismus schmückt. In den Fluren werben dort die bunten Plakate für ein diskriminierungsfreies Miteinander, erzählte uns eine ehemalige Schülerin. Auf der offiziellen Liste der Schulen mit Courage in Hannover befindet sie sich allerdings nicht. Für Maria (Pseudonym) werden wir leider nichts mehr tun können, sie hat ihre Lektion bereits schmerzhaft lernen müssen, dass sich einige Mitmenschen von ihr provoziert fühlen - nur weil sie ein Kopftuch trägt.

Wie könnten sich in Zukunft Schülerinnen und Schüler gegen diskriminierende Anfeindungen wehren, ohne sich dabei gleich persönlich mit dem Lehrkörper zu überwerfen? Macht es vielleicht Sinn, in jeder Klasse jedes Jahr eine Person zu wählen, die für derartige Situationen im Schulalltag sensibilisiert wird? Durch die offizielle Wahl wäre diese Person dann sozusagen legitimiert, Lehrer*innen und auch andere Schüler*innen darauf hinzuweisen, wenn ihre „Sprüche“ gegen die Philosophie der Schule verstoßen.

Sicher, von pädagogisch geschultem Personal sollte erwartet werden, dass sie keiner Kontrolle durch die Schülerschaft bedürfen. Doch, da die Praxis uns ja gerade das sehr anschauliche Gegenteil vorgeführt hat, gilt es hier anscheinend, ab und zu nachzubessern. Im Rahmen des WIR 2.0 wird hoffentlich das Thema Rassismus und Diskriminierung weiter im Fokus der öffentlichen Diskussion bleiben. Angeblich soll es ja bald an allen Schulen unabhängige Rassismusberatungen geben.

Maria wünschen wir jedenfalls von ganzen Herzen, dass sie ihr Abitur besteht.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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