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Antirassismus

Welt-in-Hannover.de spricht mit einer jungen Frau über deren rassistische Erfahrungen

Das folgende Interview führte WiH mit einer jungen Bekannten der Interviewerin – nennen wir sie Maria -, die Kopftuch trägt über deren Erfahrungen, welche sie mit Rassismus gemacht hat.

  Negin Samani | 07.07.2021

WiH: ,,Danke, dass Du dich bereit erklärt hast, dieses Interview mit mir zu führen. Könntest Du etwas über deine Erfahrungen mit Rassismus oder Ausgrenzung mit uns teilen?“

Maria: ,,Ja, natürlich. Es fängt mit Sachen an, die für mich schon ganz normal geworden sind, bspw. die verwunderten und komischen Blicke einiger Menschen, wenn ich an ihnen vorbeigehe oder in der Bahn einsteige. Oft kommen Kommentare wie: ,,Wir sind doch hier nicht in Saudi Arabien“ oder ,,Immer diese Ausländer.“

WiH: ,,Wie sieht es in der Schule aus? Auf was für einer Schule bist Du und merkst Du dort viel von Rassimus?“

Maria: ,,Ich besuche ein Gymnasium und, ja, es macht es sich oft im Schulalltag bemerkbar. Einer der schlimmsten Sätze, die ein Lehrer zu mir gesagt hat, war: ,,Wenn es mit dem Abitur nicht klappt, kannst Du ja zum IS gehen.“ Ein anderes Mal ist mir im Unterricht mein Stift aus der Hand gefallen, da meinte er ,,Ich habe mich aber erschrocken! Mensch, ich dachte schon, das wäre eine Bombe.

Diese Aussagen haben mich sehr verletzt und meine Mitschüler schockiert, jedoch traut sich niemand, etwas zu ihm zu sagen, da unser Abitur unter anderem von seinen Noten abhängig ist."

WiH: "Das ist aber schrecklich. Die Tatsache, dass keiner sich traut, etwas zu sagen und der Lehrer seine Position ausnutzt, findest Du, das ist pädagogisch richtig?

Maria: ,,Nein, es ist keinesfalls pädagogisch richtig."

WiH: "Welche weiteren Erfahrungen könntest Du noch mit uns teilen?"

Maria: ,,Oft wurde ich schon gefragt, wie ich mir denn Schulsachen leisten kann, meine Eltern seien bestimmt arbeitslos, sagen einige Lehrer. Dabei ist mein Vater Arzt und arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis.

Meine Sportlehrerin hat mich schon einige Male gefragt, ob ich gezwungen werde, das Kopftuch zu tragen und wenn ich mal etwas Schwarzes anhabe, fragt Sie mich jedes Mal, ob Sie sich Sorgen machen müsse. Ich werde doch bestimmt ´unterdrückt´, sagt sie oft."

WiH: ,,Und was für Erfahrungen hast Du außerhalb der Schule diesbezüglich schon gemacht? Könntest Du etwas davon mit uns teilen?“

Maria: ,,Ja, einige schon. Es sind viele, aber unter anderem wurde ich einmal an der Bushaltestelle angesprochen. Eine Frau kam zu mir und meinte verärgert: ,,Willst Du das Ding da auf deinem Kopf nicht abnehmen? Es ist doch unnötig!“

Ansonsten fällt mir noch ein, dass ich oft gefragt werde, ob ich Deutsch sprechen oder verstehen kann. Dann wird oft gesagt: ´Ach, Sie können ja gut Deutsch sprechen.´ Dabei bin ich in Deutschland geboren und hier aufgewachsen.“

WiH: "Es tut mir sehr leid, dass Du all diese Erfahrungen machen musstest. Was könntest du abschließend noch dazu sagen?"

Maria: ,,Ich möchte sagen, dass dies kein Thema ist, welches man ignorieren sollte. Viele Menschen sind davon im Alltag betroffen und es kann schlimme Folgen haben. Meine Erfahrungen sind keine Einzelfälle!

Mich persönlich hat es jedes Mal sehr verletzt und ich habe mich so gefühlt, als wäre ich nicht dazugehörig. Oft stellt man sich auch die Frage, was man tun kann, damit einem so etwas nicht mehr passiert. Jedoch habe ich auch gelernt, dass es leider nicht in meiner Hand liegt.“

WiH: ,,Ich danke Dir für dieses Gespräch und hoffe sehr, dass dieses Interview einige Menschen zum Nachdenken bringt.“

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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