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Wolf Böwig_Bild 2_verletzt

Doppelausstellung im Freien

"Signum Mortis" und "40.555"

Fotografien und Collagen von Wolf Böwig beim Pavillon Hannover und auf dem Weißekreuzplatz. Die Ausstellung läuft bis zum 20.12.2020.

  Jürgen Castendyk | 15.12.2020

Wolf Böwig_Bild 1_Pavillon
Ausstellung in den Fenstern des Pavillon Hannover
Wolf Böwig_Bild 1_Pavillon
Ausstellung in den Fenstern des Pavillon Hannover

SIGNUM MORTIS: Gewalt und Leid an den südöstlichen Grenzräumen Europas.

An den Fensterfronten des Kulturzentrums Pavillon zeigt der in Hannover lebende Fotojournalist Wolf Böwig seine Dokumentarfotos aus dem nördlichen Balkan, dem ehemaligen Jugoslawien und dessen Nachfolgestaaten Die Fotos sind dem Schicksal von Menschen gewidmet, die seit Jahrzehnten unter Krieg, Gewalt und Flucht leiden. Dazu werden erläuternde Texte anderer Künstler*innen gezeigt. In der Gestaltungsform einer Collage steht alles unter dem Titel: SIGNUM MORTIS.

Auf zahlreichen Reisen von den Jugoslawienkriegen bis zu den jüngsten Fluchtkrisen hat Böwig die Folgen der Gewaltanwendungen für die Menschen eindrucksvoll dokumentiert.

Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt mit Aufnahmen aus den frühen 1990er Jahren bis 2019. Der Fotograf kann durch seine Reisen zusätzlich auf ein umfangreiches Archiv aus Bildern, Skizzen und Tagebüchern zurückgreifen. Es sind erschütternde Eindrücke von gewalttätigen ethnischen Konflikten, von einer Zerstörung der Moral und bis heute nicht geheilten Wunden der Menschen, Orte und Landschaften.

Seit der Schließung der sogenannten Balkan-Route für Flüchtlinge sind die südöstlichen Grenzräume Westeuropas in Vergessenheit geraten. Die Ausstellung von Wolf Böwig kann dazu beitragen, die ungelösten Probleme der Region nicht zu verdrängen. Ohne, dass es explizit aufgezeigt wird, kann aus der vielseitigen Collage aber auch die Schlussfolgerung gezogen werden: die EU lässt die leidgeprüften Menschen allein.

Wolf Böwig_Bild 5_Blick von weit auf den Pavillon
Die Installation "40555" auf dem Weißekreuzplatz Hannover
Wolf Böwig_Bild 5_Blick von weit auf den Pavillon
Die Installation "40555" auf dem Weißekreuzplatz Hannover

Installation „40.555“ zeigt: so viele Menschen sind seit 1993 auf ihrer Flucht an den Grenzen Europas gestorben

Die zweite Ausstellung besteht aus 10 Ausstellungsflächen im Format von 6 x 2,5 Metern. Böwig zeigt auf dem Weißekreuzplatz großflächige Collagen aus plakativen Fotos, vergrößerten Listen mit den Namen von gestorbenen Flüchtlingen und kurzen Texten unter den Schlagworten: „vertrieben“, „verletzt“, „getötet“, „ausgelöscht“ und „gestrandet“.

Der Fotograf hat den Mut zur Größe, um das Leid der Geflüchteten unübersehbar zu verdeutlichen. Dabei benutzt er Elemente der Plakatwerbung, verwandelt seine Botschaften aber in eine überzeugende künstlerische Ausdrucksform. Die gestalteten Fotos, Tabellen und Texte sprechen für sich, zeigen Fakten und vermeiden jegliche Form von einseitiger politischer Propaganda. Die Ausstellung kann aber trotzdem als berechtigte Anklage gegen die inhumane Flüchtlingspolitik der EU verstanden werden. Im Zusammenhang mit dem jährlichen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ist es eine notwendige Kritik mit Mitteln der Kunst.

Infos: Die Finissage und das Gespräch mit Wolf Böwig finden am Sonntag, den 20. Dezember um 15.00 Uhr statt. Der Fotograf bietet eine Führung an, bei der die geltenden Hygienemaßnahmen beachtet werden. Anmeldung hierzu bitte unter: wboewig@gmx.de

Das Begleitprogramm zu den Ausstellungen ist Corona bedingt Flüchtlingsrat Niedersachsen e. V. zu finden oder auf der Video-Plattform vimeo.

Alle Bilder zu diesem Artikel stammen von Wolf Böwig und sind urheberrechtlich geschützt.

Die Ausstellungen und das Begleitprogramm entstanden in Zusammenarbeit mit:

Landeshauptstadt Hannover, Kulturbüro, Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen, Stiftung Leben & Leben Niedersachsen, Kulturzentrum Pavillon und Flüchtlingsrat Niedersachsen.

Eine Auswahl von Wolf Böwigs Werk wird durch die Galerie Peter Sillem vertreten.

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover