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Die Jugendlichen vom Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk unterwegs

#ausdenvereinen

Interkulturelle Kompetenz lernen durch Jugendausflüge in Niedersachsen

Im Rahmen des Projektes „Interkulturelle Kommunikation und Kompetenz für die Jugend“ stellt das Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk Hannover Kindern und Jugendlichen verschiedene Orte Niedersachsens vor.

  Valentin Leibmann | 05.10.2020

„Wir alle, und somit auch unsere Kinder, leben in einer Gesellschaft, die sich aus verschiedenen Kulturen zusammensetzt und in der jede einzelne Kultur ihre Besonderheiten mit sich bringt. Mit Hilfe von kompetenten Referent*innen wollen wir diese Besonderheiten gemeinsam kennen- und verstehen lernen.“ (Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk Hannover e. V.)

Nach dem Lockdown ging es wieder los: Unsere Gruppe stattete Goslar, Lüneburg und Bremen einen Besuch ab und wir erfuhren dabei - am Beispiel der besuchten Orte - viel über die Besonderheiten und Verschmelzungen diverser Kulturen sowie religiöser Traditionen. Wir besprachen verschiedene Fragen, die mit dem Projektthema zu tun haben und freuen uns schon auf die nächste Gelegenheit, uns mit Gleichaltrigen zu unterhalten und dabei Interessantes und Wissenswertes zu erfahren.

Anschließend ging es am 26. Juli nach Bodenwerder, dem Heimatort des Freiherrn von Münchhausen. Viele kennen die Geschichten über ihn, aber die meisten kennen weder seine wahre Familiengeschichte noch wissen sie etwas über seine Beziehungen zu Russland. In der Stadt wird die Geschichte Münchhausens „gelebt“ in Form von Denkmälern, Bildern, Reliefs; unter ihnen sind einige Geschenke aus Russland. Später, während des Picknicks, bildeten wir Teams, die sich im Quiz „Interkulturelle Kompetenz“ beweisen mussten.

Alle Teilnehmenden zeigten Gefallen am Quiz und haben großes Interesse an dessen Fortsetzung.

Am 9. August stand Hildesheim auf dem Plan. Das Wetter war sehr heiß, trotzdem machten sich die Widerstandsfähigsten unserer Gruppe in einer halbstündigen Fahrt von Hannover aus dorthin auf. Hildesheim beeindruckte mit seiner wunderschönen Altstadt voller Fachwerkhäuser und seiner religiösen Vielfalt als katholisches Zentrum im überwiegend evangelischen Niedersachsen. In einem der katholischen Dome entdeckten wir sogar eine verehrte und berühmte orthodoxe Ikone. Später besuchten wir ein Memorial mit dem Motiv eines Davidsterns auf dem Boden der während der NS-Zeit zerstörten Synagoge. Im Vorbeigehen konnte die Gruppe in den Hof der Freimaurer hineinblicken.

Auf Hildesheim folgte am 16. August die Nordseestadt Bremerhaven. Alle Teilnehmenden des Projekts haben ihre eigene Emigrationsgeschichte im „Gepäck“. Auch diejenigen Kinder und Jugendlichen, die in Deutschland geboren wurden, kennen ihre eigenen Familiengeschichten und interessieren sich für ihre „Wurzeln“. Deshalb ging es in Bremerhaven zum Auswandererhaus, wo wir alle auf eine Zeitreise mitgenommen wurden. Emigration gab es früher wie heute. Womöglich stellt sich jemand eine Schifffahrt über den Ozean vor, von Europa nach Amerika, dank des Films „Titanic“. Zum Glück erlitten nicht alle Schiffe ein solches Schicksal, aber, auch wenn heute eine Reise über dem Ozean wie ein Spaziergang scheint, war dies zur damaligen Zeit mit vielen Problemen, Unbequemlichkeiten und Gefahren verbunden.

Im Auswandererhaus gibt es nicht nur tausende Emigrationsgeschichten, die in Form von Fotos und Audioaufnahmen sowie anderen Quellen gesammelt worden sind, sondern es wurde auch die Atmosphäre zur Zeit der Massenemigration nach Amerika rekonstruiert. Dort stehen lebensgroße Figuren, unter denen man entlanggehen kann. Die Besucher*innen können die nachgestellten, schäbigen Koffer anfassen und die jeweilige Geschichten der damaligen Reisenden anhören. Ebenso kann man Kajüten erster und dritter Klasse betreten. Nach dem Besuch ging unsere Gruppe durch Bremerhaven, eine typische Hafenstadt mit eigentümlicher Geschichte und Architektur. Besonders Neugierige stiegen hinab an Bord eines U-Boots und hinauf auf eine Aussichtsplattform, um die Stadt aus der Vogelperspektive zu bestaunen. Dann hatten wir Gelegenheit zur Entspannung an der Nordsee. Auffällig war, wie schnell Ebbe und Flut vorangingen, sodass wir den Wechsel leicht beobachten konnten.

Als letztes Reiseziel des Sommers war die nordrhein-westfälische Stadt Münster dran. Die Geschichte Münsters zählt über zwölf Jahrhunderte. Das war an der Anzahl an historischen Denkmäler und Kirchen auf einem Quadratkilometer der Altstadt gut zu erkennen. Die riesige Anzahl der Radfahrenden und das historische Stadtzentrum verleihen Münster einen unverwechselbaren Anblick, weshalb diese Stadt auf der Rangliste der schönsten Städte Deutschlands auf Platz zwei nach München steht.

In Münster liegen der Verwaltungsgerichthof und das Oberverwaltungsgericht von NRW. Das vor über 1200 Jahren gegründete Bistum Münster war eines der ältesten von Norddeutschland und übte über die Grenzen Westfalens hinaus Einfluss aus. Es gibt dort eine Universität, die rund 50.000 Studierende zählt. Ebenso gibt es dort acht Theater und 30 (!) Museen. Die Stadt besuchen jährlich etwa fünf Millionen Touristen.

Alle Mitglieder unser Gruppe waren froh, zu diesen dazuzugehören.

Das Jugendprojekt "Interkulturelle Kompetenz und Kommunikation" wird finanziert durch den Integrationsfonds der Region Hannover "Miteinander - gemeinsam für Integration".

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover