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25 Jahre Tolstoi e. V. - Impressionen vom Jubiläum

25 Jahre Tolstoi e.V.

„Eine kraftvolle Veranstaltung“

25 Jahre nach seiner Gründung präsentiert sich der Kulturverein äußerst vital und vielseitig. Besonders die Fähigkeiten der jungen Musikschaffenden begeistern beim Jubiläumsfest.

  Konrad Boidol | 26.02.2019

Intensiv, mitreißend und vor allem sehr jung präsentierte sich das Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk bei seiner Jubiläumsfeier im großen Saal des Freizeitheims Vahrenwald. Seit 25 Jahren gibt es den Verein, der sich gleichsam für die Pflege der russischen Kultur in Hannover sowie für die Integration der Zugewanderten in die Stadtgesellschaft einsetzt. In zahlreichen Bereichen wie Theater, Film, Beratung und Sport ist Tolstoi e.V. aktiv. Einen besonders eindrucksvollen Einblick bekamen die Gäste der Jubiläumsveranstaltung über die Jugendarbeit in Form von Musikprojekten: Viele junge Menschen präsentierten gekonnt zahlreiche Stücke aus vollkommen unterschiedlichen Genres.

Vorsitzende Tolstoi e. V. Dr. Tatiana Czepurnyi
Dr. Tatiana Czepurnyi
Vorsitzende Tolstoi e. V. Dr. Tatiana Czepurnyi
Dr. Tatiana Czepurnyi

Die rund zweieinhalb Stunden, die für die Veranstaltung angesetzt waren, vergingen durch die vielen unterhaltsamen Programmpunkte wie im Flug. Sie zeigten die Arbeit des Kulturvereins von den Anfangstagen bis heute. 1994, im Jahr der Vereinsgründung, „war in Hannover in Bezug auf russische Kulturarbeit absolut Tote Hose“, erinnerte sich die Gründerin Dr. Tatiana Czepurnyi, die bis heute Vorsitzende von Tolstoi e.V. ist. Entsprechend mühsam sei der Start gewesen: „Wir hatten niemanden, der Werbung für unsere Konzerte und Veranstaltungen gemacht hat – es gab Konzerte auf sehr hohem Niveau mit nur sechs Zuhörern“, berichtete sie bei ihrer Begrüßung.

Mitreißende Musik

Dass sich diesbezüglich durch die Arbeit des Vereins sehr viel in Hannover getan hat, bewies das umfangreiche Programm des Abends. Dieses wurde zu großen Teilen vom Engagement junger Menschen getragen. Im Zentrum stand die Musik: Miron Vatlin, neun Jahre, und Jamila Moumouni, elf Jahre, präsentierten Stücke von Edvard Grieg oder Serge Rachmaninow auf Klavier und Violine. Erlernt haben sie das Spiel in der Musikschule Brainin. Der dortige Leiter, Valeri Brainin, ist seit Anbeginn der Vereinsarbeit stellvertretender Vorsitzender. Genauso professionell wie die Solokünstler*innen spielten die Musiker*innen des Jugendorchesters Panorama. In mehreren Etappen führten sie, angeleitet von ihrem Lehrer Vitaly Goryanskyy, musikalisch durch den Abend. Jazz-Klassiker wie „Blue Skies“ und Auszüge aus Musicals wie „Das Phantom der Oper“ interpretierten sie mit Bravour und machten auch vor Experimenten mit klassischem Material nicht halt: So gab es beispielsweise eine Interpretation von Beethovens 5. Symphonie im Funk-Rhythmus zu hören.

Autritte junger Musikerinnen und Musikern
Großartige Auftritte junger Musikerinnen und Musiker
Autritte junger Musikerinnen und Musikern
Großartige Auftritte junger Musikerinnen und Musiker

„Es ist ein Traum für jedes Mädchen, es macht großen Spaß und ich bin dankbar, dass ich so etwas habe“, sagte die zwölfjährige Sängerin Milena Migal von Panorama nach ihrem Auftritt. Seit rund vier Jahren singt sie beim Jugendorchester. Die 14-jährige Kassandra Idrisova ist noch länger dabei und kann schon auf große Erfolge zurückblicken: Beim Wettbewerb für Kinder und Jugendliche im Rahmen des "Internationalen Düsseldorfer Kinderkulturfestivals" sowie dem Wettbewerb „Hamburger Abrechnung“ belegte sie jeweils den ersten Platz. „Früher hatte ich noch Angst vor Menschen zu sprechen – jetzt fühle ich mich wohl auf der Bühne“, berichtete sie. Beide begeisterten an diesem Abend mit jeweils einem Solo-Auftritt. Die Ankündigung der Stücke übernahm Sofia Gerasimenko, die künftig auch gerne Gesangspassagen übernehmen möchte.

Editha Westmann, MdL
Editha Westmann, MdL
Editha Westmann, MdL
Editha Westmann, MdL

Viel Lob für Tolstoi e.V.

Tief beeindruckt von der Musik zeigte sich Editha Westmann, Landesbeauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler am Landesministerium für Wissenschaft und Kultur. Sie war die Schirmherrin der Veranstaltung. „Man hat gesehen, das bei den jungen Künstlerinnen und Künstlern die Leidenschaft für die Musik im Vordergrund steht – das beeindruckt sehr!“, äußerte Sie in Ihrem Grußwort. Aber nicht nur die Musik lobte die Politikerin: „Die Fülle der Aktivitäten, die Sie anbieten und im Laufe der Jahre angeboten haben, ist bemerkenswert – Sie haben alle Achtung verdient, die ich Ihnen auch gerne entgegenbringe“, sagte sie zu den Akteuren des Vereins. Für die Zukunft sicherte Westmann Tolstoi e.V. ihre Unterstützung zu – zunächst durch die Teilnahme des Jugendorchesters beim „Tag der Niedersachsen“ in Wilhelmshaven, aber auch darüber hinaus: „Glauben sie mir, ich habe noch viele Ideen, wie wir Ihren Verein über die Grenzen von Hannover bekannt machen können“, so Westmann. Sie hoffe, dass sie zusammen mit Tolstoi e.V. künftig noch „ganz viel gemeinsam auf den Weg bringen“ könne.

Dr. Heino Wiese
Dr. Heino Wiese
Dr. Heino Wiese
Dr. Heino Wiese

Auch der Honorarkonsul der Russischen Föderation in Niedersachsen, Heino Wiese, lobte in einem Grußwort die Arbeit des Vereins: „Frau Czepurnyi, ich danke Ihnen sehr für Ihre großartige Initiative, die Sie aufgebracht haben“, sagte er. Bezirksbürgermeisterin Irma Walkling-Stehmann war stellvertretend für den Bezirksrat Vahrenwald-List zugegen. Viele Veranstaltungen von Tolstoi e.V. finden in diesen Stadtteilen statt, weshalb auch sie herzlich zum Jubiläum gratulierte. „Ich habe nicht gedacht, dass wir heute Nachmittag eine so kraftvolle Veranstaltung zu hören und zu sehen bekommen“, so die Bezirksbürgermeisterin. Ihrer Ansicht nach könne der Verein sehr stolz auf die vielen jungen Menschen sein, die sich einbringen. Sie bildeten den Nachwuchs, der die Arbeit von Tolstoi e.V. nachhaltig belebe. „Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute, damit sie 2025 in unserer – hoffentlich – europäischen Kulturhaupstadt auch ihren Beitrag leisten, damit es eine tolle Veranstaltung wird“, so Walkling-Stehmann am Schluss ihres Grußwortes.

Preisverdächtiger Trickfilm und hochkarätiges Theater

Dass es bei Tolstoi e.V. bei weitem nicht nur um Musik geht, bewiesen die weiteren Programmpunkte. Besonders beeindruckend war ein Filmclip, den Kinder aus dem Projekt „Tricki“ erstellt hatten. Unter dem Titel „Die Schildkröteninsel“ behandelten sie ein brandaktuelles Thema: Plastik, das die Meere verschmutzt und die kleinen Tiere der Insel gefährdet. Die Figuren und Schauplätze waren selbstgebastelt und professionell animiert. Außerdem hatten die Kinder Ihren Clip selbst vertont. So viel Hingabe und Arbeit honorierte nicht nur das Publikum des mit großem Applaus: Der Film hat es in die Auswahl des Wettbewerbs „Deutscher Jugendfilmpreis“ geschafft.

Vorführung des Trickfilms Schildkröteninsel
Vorführung des Trickfilms "Schildkröteninsel"
Vorführung des Trickfilms Schildkröteninsel
Vorführung des Trickfilms "Schildkröteninsel"

Anhand einer Bildpräsentation führte Moderator Alex Boris durch die vielen weiteren Projektstationen des Vereins in den vergangenen 25 Jahren. Für bilinguale Kinder mit russischen Wurzeln werden beispielsweise die Projekte „Super-Kino“ und „Märchen-ABC“ angeboten, in denen sie spielerisch mit der Sprache und Kultur ihres Herkunftslandes Russland vertraut gemacht werden. Ebenfalls bietet der Verein Ausflüge in russischer Sprache durch Deutschland und ins europäische Ausland an, die besonders bei Senioren sehr beliebt sind. Sehr erfolgreich ist außerdem die Frauensportgruppe, die es bereits seit 1998 gibt. Bei der Konzertveranstaltung „Die Stars von morgen aus Moskau“, die der Verein seit 2002 organisiert, treten junge Meisterpianist*innen in Hannover auf. Sie präsentieren ihre Fähigkeiten anschließend auf dem Rheingaufestival.

Ein weiterer Filmclip zeigte Eindrücke vom erfolgreichen Kammertheaterfestival „Most“, das seit acht Jahren von Tolstoi e.V. zusammen mit Willi Schlüter vom „Theater in der List“ organisiert wird. Dort treten alljährlich hochkarätige Theaterschauspieler*innen aus der ganzen Welt auf.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab es noch ein rund 30-minütiges Mini-Konzert des Jugendorchesters Panorama, das mit einem Stimmgewaltigen russischen Lied endete, bei dem auch Musiklehrer Vitaly Goryanskyy das Mikrophon ergriff. Beim anschließenden Buffet konnten sich die Gäste darüber hinaus die Ausstellung „300 Jahre Deutsch-Russische Beziehungen“ des Vereins ansehen, die im Foyer aufgebaut war.

Fotos: Dimitrij Czepurnyi

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Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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