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Peschmerga podiumsdiskussion

Peshmerga im Nord-Irak

Einer, der sich für andere Menschen opfert

Es waren kurdische Kämpfer, die im Irak und in Syrien Islamisten zurückschlugen und zur Stabilisierung der Region beitrugen. Um ihre Rolle ging es im noblen Rahmen in Langenhagen.

  Wolfgang Becker | 02.01.2019

Dunkelhaarige und schnauzbärtige Herren mit Schlips und Kragen, rotweißgrüne Schals und Sticker, ein brauner Overall. Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN) hatte am 17. Dezember 2018 in Paolo’s Landhaus am Golfpark nach Langenhagen eingeladen. Im Rahmen der „Langenhagener UNO-Gespräche“ wurde mit kurdischen Vertretern und mit Angehörigen der Peshmerga aus dem Nord-Irak diskutiert.

Ein nobler Rahmen für rund 100 Interessierte, die meisten von ihnen Männer und aus Kurdistan. Ernste Mienen bei Sekt, Wein und Häppchen, Simultanübersetzungen vom Deutschen in den kurdischen Dialekt Kurmanci. Zur Eröffnung „Take five“ und ähnliche Stücke vom einsamen Saxophonspieler Albert Avakjan. Wie steht es heute um das Streben der Kurden nach eigener Identität und Staatlichkeit? Werden die Karten im Mittleren Osten zu Lasten der Kurden neu gemischt? Diese und andere Fragen standen im Programm der Abendveranstaltung, die mit einem opulenten Essen endete.

„Peshmerga bedeutet 'Einer, der sich für andere Menschen opfert'“, erklärte Sarbast Lazgeen, Stellvertretender Verteidigungsminister der Autonomen Republik Kurdistan-Irak, in seiner Eröffnungsrede: „Der Kampf gegen Daesh (IS) war das härteste, was die Peshmerga bislang geleistet haben“. 1720 kurdische Kämpfer seien dabei gefallen, es gab über 10.000 Verletzte.

Menschenrechte sind uns sehr wichtig“, so Lazgeen weiter. Die Peshmerga beschützten die Interessen des kurdischen Volkes. „Das ist der Grund, warum wir immer noch existieren.“ Obwohl durch Kultur und Geschichte eng miteinander verbunden, leben Kurden heute in verschiedenen Staaten des mittleren Ostens (Syrien, Türkei, Iran, Irak). Eine eigene nationale Staatlichkeit wurde nicht erreicht, scheint aber unverändert Ziel kurdischer Politik. In den vergangenen Jahren sind insbesondere die Kurden im Nord-Irak, quasi-staatlich organisiert in der „Autonomen Republik Kurdistan-Irak“, vermehrt in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt. Durch ihre bewaffneten Kämpfer, die Peshmerga, haben sie seit 2014 maßgeblich dazu beigetragen, dass der sogenannte Islamische Staat (IS) zurückgedrängt und schließlich zunächst im Nordirak, dann auch in der weiteren Region ausgeschaltet werden konnte.

Lavdem gab einen Abriss über die Geschichte der 1946 unter Mustafa Barzani gegründeten Peshmerga. Nach langen Kämpfen erreichten sie 1971 im Nord-Irak eine gewisse Teilautonomie, mussten aber immer wieder Rückschläge hinnehmen. Von 1976 bis 1991 führte der Diktator Saddam Hussein von Bagdad aus einen brutalen Krieg gegen die Kurden, bis hin zum Einsatz von Giftgas. Es gab in diesen Jahren etwa 200.000 Opfer. Erst nach dem Sturz Husseins stabilisierte sich die Kurdenregion um die Hauptstadt Erbil.

Das in der Folge in der kurdischen Teilrepublik im September 2017 stattgefundene Unabhängigkeitsreferendum erbrachte dann zwar bei hoher Wahlbeteiligung eine Zustimmung von ca. 92%, doch mangels Anerkennung durch die irakische Zentralregierung und die internationale Gemeinschaft insgesamt ist den Kurden der Weg in eine anerkannte Staatlichkeit weiterhin verbaut. Dass der bisherige Kurden-Präsident Masud Barzani kurze Zeit nach dem Referendum sein Amt niederlegte, vermittelte den Eindruck von Ausweglosigkeit und Scheitern. „Wir Kurden haben gegen die Terrororganisation Daesh gekämpft, um den Frieden der Weltgemeinschaft zu verteidigen“, betonte auf der anschließenden Podiumsdiskussion Sirwan Barzani, Generalmajor der Peshmerga. Dabei seien sie von den Alliierten, insbesondere auch von der deutschen Bundeswehr, unterstützt worden. Alle Diskussionsteilnehmer bedankten sich bei Deutschland, das im Irak seit 2014 bereits rund 1,5 Milliarden Euro ausgegeben hat. Wir haben aber keine Forderungen auf weitergehende Unterstützung gestellt“, sagte Barzani: „Es gehört zu unserer Kultur, gegen Terrorismus zu kämpfen.“

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