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Pinocchio blau mit Nase nach oben gereckt

Kolumne

Wenn ein Anwalt Märchen erzählt

Eine wahre Geschichte über Fake News

  Claudia Ermel | 02.11.2018

Es war einmal ein Anwalt Maximilian Krah aus Dresden, der jede Woche eine 1500 Zeichen – Kolumne verfasste. Bei der Gelegenheit stellte er immer eine These auf, an der er sich mit seinem Text dann entlanghangelte, wie er sagt. Dass einem renommierten Rechtsanwalt, auch wenn er in der AfD aktiv ist, die Wahrheit beim launigen Kolumneschreiben auch mal entgleitet, wäre ja noch verzeihbar. Wenn seine Fake News nicht ausgerechnet virtuos per Schneeballeffekt mit den Ängsten der Schwächsten spielen würden. Dieses Mal war jedenfalls sein Rundumschlag in den Medien fatal.

Krahs These, dass eine Explosion der Sexualdelikte existiere, seit eine Überfremdung der Gesellschaft zu beobachten sei, belegte er sogleich auch noch mit falschen Zahlen. Seit dem 01.01.2018 wären in Chemnitz 60 Frauen vergewaltigt worden. Laut Polizei seien 56 Fälle davon durch Migranten passiert. Als die sächsische Polizei die Aussage dementierte, hatte der Schneeball bereits Fahrt aufgenommen, die Fake News verbreiteten sich in sozialen Netzwerken, auf der Straße und in den Köpfen.

Opfer waren alle vermeintlichen Nichtdeutschen. Die falschen Zahlen entzündeten sogleich den Hass auf Ausländer in Chemnitz. Die Anzahl der Angriffe auf Menschen mit Migrationsgeschichte hat sich seit Anfang des Jahres in Chemnitz verdoppelt. Opfer waren aber auch die Frauen. Die Fake News schürten Ängste bei den Chemnitzerinnen, die sich im öffentlichen Raum nun nicht mehr sicher fühlten. Dabei bestätigen Beraterinnen aus Chemnitz, dass die meisten Vergewaltigungen im direkten Nahraum der Opfer passieren. Angriffe auf Frauen im sogenannten öffentlichen Raum seien eher die Ausnahme. Doch wer soll nun die schwärende Glut in den ausländerfeindlichen Seelen nachhaltig löschen? Der zündelnde Anwalt Krah anscheinend nicht.

Mir fällt dazu nur noch der traditionelle Schluss aller Deutschen Märchen ein:
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. („Hoffentlich nicht allzu viele Nazis“, würde ich bei diesem Märchen zufügen.)

Der Hintergrund

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