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Vanessa

Eine Peruanerin in Hannover

Sie würde gerne wieder Volleyball spielen!

Vanessa lebt seit elf Jahren in Hannover und sie findet es „perfekt“ hier. Doch einige Dinge aus ihrer Heimatstadt Arequipa vermisst sie manchmal.

  Claudia Ermel | 05.08.2014

Wer denkt schon an Peru, wenn über Volleyball gesprochen wird? Dabei ist es in dem Andenland neben Fußball der beliebteste Volkssport. Alle spielen es, verfolgen gespannt die Meisterschaften, verehren die besten Volleyballspieler.
Und Vanessa vermisst das Volleyballspielen mehr als ihr peruanisches Lieblingsessen, das Adobo Arequipeño. Wer hätte gedacht, dass es so schwer sein könnte, hier in Deutschland ein kleines Team zusammen zu stellen? Doch vielleicht findet sich an der Uni eine lockere interkulturelle Gruppe zum Volleyballspielen?

Die Peruanerin ist nun seit elf Jahren in Hannover. Ihre beiden hier geborenen Söhne sind zehn und acht Jahre alt. Ihre peruanische Tochter ist bereits volljährig. Vanessa hat ihr Studium wieder aufgenommen und ist nun bereits in den letzten Semestern. Als Sozialwissenschaftlerin möchte sie sich im Bereich Integration und Migration spezialisieren.

Bauingenieurwesen studieren?
Vanessas Vater, der in Peru lange Zeit als Lastwagenfahrer für das Landwirtschaftsministerium gearbeitet hat und nun als Taxifahrer tätig ist, um seine Familie zu ernähren, hat immer davon geträumt, Bauingenieur zu werden. Und als seine Tochter im Abiturjahrgang den naturwissenschaftlichen Zweig wählte, sah es fast so aus, als würde sie seinen Visionen folgen. Doch als junge Studentin verlagerten sich ihre Interessen in ganz andere Richtungen. Ernährungswissenschaften lockten sie sehr, aber auch Life Science, bzw. die sozialwissenschaftlich orientierten Fächer. Der Beruf Bauingenieur ist in der peruanischen Arbeitswelt noch viel stärker männerdominiert als in Deutschland. Einen Job nebenbei zu bekommen, war außerdem nicht einfach in Arequipa. Der Standard waren Tageslöhne von umgerechnet 2,50 € als Konditoreihilfe oder als Verkäuferin. Geregelte Arbeitszeiten oder eine Krankenversicherung gab es fast nie. Und als sie einen kleinen Streik mit initiierte, wurde die junge Mutter kurzerhand entlassen.

Vanessas Heimatstadt, Arequipa hat etwa die gleiche Größe wie Hannover und liegt im Süden Perus auf einer Höhe von 2.300 m, nahe einiger mächtiger Vulkane. Inzwischen zum Weltkulturerbe erklärt, ist „die weiße Stadt“ eine attraktive Anlaufstelle für Peru-Reisende. So lernte Vanessa auch ihren späteren Mann kennen. Als Tourist bereiste der Elektroingenieur ihre Heimat für vier Wochen und es „funkte“ ziemlich schnell zwischen den beiden. Leider hatten sie nicht allzu viel Zeit zusammen in Arequipa. Doch als Vanessas Freund wieder in Hannover war, blieben die beiden per Internet in regem Kontakt. Schließlich wurde Vanessa nach Deutschland eingeladen. Da sie unterdessen in Peru studierte, versuchte sie ein Studentenvisum zu bekommen. Als ihr nur ein Touristenvisum für drei Monate gewährt wurde, kam Vanessa nach Hannover zu Besuch.

So hatte sie Zeit, ihren späteren Mann und seine Heimat kennen zu lernen. Und als die beiden dann schließlich entschieden zu heiraten, wusste Vanessa bereits ein wenig über Land und Leute, kannte Hannover, das Klima und das Essen.

Studium in Deutschland
Nach der Heirat machte sie erst einmal einen Integrationskurs und zwei Deutschkurse im Bildungsverein. Eigentlich hatte die Peruanerin vor, zügig ihr Studium wieder aufzunehmen. Doch für viele Studiengänge sind erst einmal anspruchsvolle Deutschtests erforderlich. Für Vanessa, deren Schwerpunkte bisher im naturwissenschaftlichen Zweig lagen, kam zusätzlicher Lernstress hinzu. Als sie krank wurde, entschied sie, ihre Ungeduld etwas zu zügeln, immerhin hatte sie nebenbei noch zwei weitere Kinder geboren. Und da sie als Mutter mit schulpflichtigen Kindern von den Studiengebühren befreit sei und nebenbei auch einen Job habe, brauche sie sich keinen Stress zu machen, sagt die Peruanerin.

Mit ihrem Studium der Sozialwissenschaften möchte sie gern später einmal im interkulturellen Bereich arbeiten, als Beratung oder Begleitung für MigrantInnen. An der Uni hat sie auch wieder mehr Möglichkeiten, ihr Deutsch zu praktizieren, denn in ihrer Familie wurde von Anfang an nur Spanisch gesprochen. Neben einigen deutschen Bekanntschaften verkehrt die Peruanerin mit vielen LateinamerikanerInnen und Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Mit ihren peruanischen Freunden und Freundinnen trifft sie sich jeden Monat einmal zum „Buffet Peruano“. Dann wird gemeinsam peruanisch gekocht, gegessen, zu Latinomusik getanzt und gesungen.

Die Essgewohnheiten ändern sich
Und was sagt sie zu der deutschen Küche? „Vollkornbrot ist gut, und ich mag gern Quark, Bratkartoffeln oder die Rouladen meiner Schwiegermutter. Aber ich selbst koche alles Mögliche, was keiner direkten Kultur zuzuordnen ist. Ich probiere gern aus, variiere mit Fantasie. In Peru habe ich viel Fleisch gegessen, häufig sehr scharf. Für die typischen Gerichte meiner Heímat bekomme ich hier aber selten alle Zutaten, zum Beispiel Maissaft und rote oder gelbe Chilischoten.“

Vom Essen hängt für Vanessa natürlich nicht „die Glückseligkeit“ ab. Im Vergleich zu ihrem Leben in Peru findet sie Hannover perfekt, sie nennt es einen „sicheren Platz“. An ihrer Heimatstadt hängt sie trotzdem. Hier in Hannover hat sie nur eine einzige Freundin, die auch aus Arequipa stammt, aber einige Menschen aus Lima gehören zu ihrem Freundeskreis. Und alle vier Jahre fährt die ganze Familie nach Peru. Wenn Vanessa jetzt noch eine lockere Volleyballgruppe in Hannover finden würde, wäre die Perfektion komplett, am liebsten eine bunte, interkulturelle Gruppe.

Vanessas Lieblingsgericht aus Arequipa: Adobo Arequipeño für 4 Personen
1,5 Kg Schweinefleisch in grobe Stücke geschnitten
4 getrocknete Chilischoten
Kümmel, Salz
2 Knoblauchzehen
3 große Zwiebeln
Chicha de Jora (vergorener Maissaft)
(Kann im Internet erworben werden.)
2 Esslöffel Essig
Oregano
Das Schweinefleisch wird zunächst mit der Chicha mit Salz, Essig, den Chilischoten, Kümmel, Oregano und zwei der Zwiebeln, in große Spalten geschnitten, über Nacht eingelegt. Die Chicha sollte das Fleisch komplett bedecken. Das Fleisch wird dann zusammen mit der Chicha-Mischung in einem Topf aufgekocht, dann auf kleiner Flamme geköchelt bis das Fleisch zart und die Soße etwas eingedickt ist.
Adobo wird mit normalen Brötchen gereicht. Dazu wird schwarzer Tee mit Anis-Schnaps getrunken.
¡Buen provecho!

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

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