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Pianistin Marina Maranova und das Streichquartett Orchester im Treppenhaus

„Concert for Rohingya“

Musik für die Heimatlosen

Das größte Flüchtlingslager der Welt liegt in Bangladesch. Am 28. September machte eine Benefizveranstaltung in der Christuskirche auf die dort lebenden Rohingya aufmerksam.

  Johanna Lal | 08.10.2018

Knapp eine Million Menschen sind in den letzten zwei Jahren aus Myanmar (Burma) ins benachbarte Bangladesch geflohen. Sie gehören der muslimischen Volksgruppe der Rohingya an, die im mehrheitlich buddhistischen Myanmar diskriminiert und verfolgt werden. Im selbst völlig verarmten Bangladesch, im bengalischen Cox’s Bazar, ist das größte Flüchtlingslager der Welt entstanden.

Um auf die prekäre Lage der Rohingya aufmerksam zu machen, veranstaltete der interkulturelle Verein Initiative für Internationalen Kulturaustausch (IIK) in Kooperation mit dem MiSO-Netzwerk e.V., Feinkost Lampe e.V. und dem AK Bangladesch am vergangenen Freitagabend in der Nordstädter Christuskirche ein Benefizkonzert. Die Veranstaltung war gut besucht; besonders freuten sich die Veranstalter über die eingenommenen Spenden in Höhe von 850 Euro, die direkt der Arbeit des Bangladesh Institute of Theatre Arts zugutekommen werden. Zukommen soll das Geld den vielen, teils schwer traumatisierten Kindern, die über die Hälfte der Flüchtlinge in Cox’s Bazar bilden.

Hanno Schedler von der Gesellschaft für bedrohte Völker
Hanno Schedler von der Gesellschaft für bedrohte Völker
Hanno Schedler von der Gesellschaft für bedrohte Völker
Hanno Schedler von der Gesellschaft für bedrohte Völker

Im ersten Teil des Abends hielt Hanno Schedler von der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. einen eindrucksvollen Vortrag über die Lage der Rohingya. Deutlich wurde, dass die Volksgruppe in Myanmar gravierender Verfolgung ausgesetzt ist. So wird insbesondere Facebook von radikalen buddhistischen und nationalistischen Kräften genutzt, um gegen die Rohingya zu hetzen. Auch haben die Angehörigen der Minderheit kaum Zugang zu Schulen oder Universitäten, erhalten nicht die Staatsbürgerschaft und dürfen folglich auch nicht wählen. Selbst in ihrer Bewegungsfreiheit sind sie eingeschränkt. Schedler machte auch deutlich, dass die Menschen in Bangladesch, ein Land, welches selbst verarmt und überbevölkert ist, keine wirkliche Zukunft haben.


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In der Pause hatten die Gäste Gelegenheit, sich in Ruhe der Fotoausstellung zu widmen, die Bilder zeigte, die sowohl der indische Journalist Subhrajit Bhattacharjee als auch IIK-Vorstandsmitglied Sharaf Ahmed bei ihren Besuchen im Flüchtlingslager gemacht haben und die das Alltagsleben im Lager eindrucksvoll dokumentieren. Vor allem aber zeigen die Fotos Gesichter – so zum Beispiel das Gesicht einer älteren Frau, die mit sorgenvollem, fast schon hilfesuchendem Blick in die Kamera schaut, von einem jungen Ehepaar, das in seiner kleinen, ärmlichen Hütte sitzt und von Kindern, die manchmal traurig, manchmal lachend, manchmal neugierig in die Kamera blicken. Sie alle erinnern daran, dass es bei der humanitären Katastrophe der Rohingya – so fernab von Europa sie sich auch abspielen mag – um Menschen geht, jeder einzelne davon mit einer eigenen Geschichte.

Bengalische Tanzgruppe
Bengalische Tanzgruppe
Bengalische Tanzgruppe
Bengalische Tanzgruppe

Der zweite Teil des Abends entführte das Publikum in die Welt der Musik: Zuerst bot das Treppenhausquartett, bestehend aus Musiker*innen des deutschlandweit bekannten Orchesters im Treppenhaus, ein dynamisches Streichquartetts in F-Dur von Maurice Ravel dar. Dann gesellte sich die auf internationalen Bühnen spielende Komponistin und Pianistin Marina Baranova dazu und spielte mit Unterstützung des Streichquartetts Auszüge aus ihrem Debussy Projekt und ihren Werken „Firebird“ und „Hypersuites“ und verzauberte so die Gäste mit ihren einzigartigen, melancholischen Stücken, die sich zwischen Klassik und experimenteller Improvisation bewegen.

Fotos: Wolfgang Becker

Welt-in-Hannover.de bedankt sich herzlich für die tolle Unterstützung bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, sowie zahlreichen Organisationen und hofft auf weitere gute Zusammenarbeit.

Schirmherrin des Projekts Welt-in-Hannover.de ist Frau Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.

kargah e. V. - Verein für interkulturelle Kommunikation, Migrations- und Flüchtlingsarbeit    Kulturzentrum Faust e. V.    Landeshauptstadt Hannover